Mats’ Sohn Mats

Ein Kätner hatte einmal einen sehr starken, doch auch sehr faulen Sohn, der Mats hieß. Da aber der Name des Vaters auch Mats war, nannte man ihn immer Mats’ Sohn Mats.
Einst schickte ihn der Vater in den Wald, Fronholz zu fällen. Unser Mats nahm seinen Brotsack auf die Schultern, ging in den Wald, wo die anderen Holz fällten, und legte sich am Feuer zum Schlafen nieder. Das war am Montag.
Am Mittwoch stand er vom Boden auf, gähnte, drehte sich auf die andere Seite und schlief wieder.
Am Sonnabend kam der Gutsvogt, um das Holz zu holen. Nachdem er es von den anderen entgegengenommen hatte, kam er ans Feuer. Als er Mats sah, fragte er, wer denn das sei und wo das von ihm geschlagene Holz liege. Mats stand auf, gähnte, aß, nahm das Beil in die Hand und ging in den Wald. Oh, wie jetzt die Scheite flogen! Am Abend hatte Mats sechs Klafter Holz geschlagen und lieferte sie ebenso ab wie die anderen.
Der Gutsvogt erzählte diese Geschichte dem Gutsherrn. Als der Gutsherr das hörte, ging er so-fort zum Kätner und bestellte sich den Jungen zum Knecht, versprach auch dem Vater, ihm die Kate unentgeltlich zu überlassen. Als Entlohnung verlangte der Junge so viel, wie er auf dem Rükken wegtragen könne.
Nun, mein ganzes Gut wird er nicht wegtragen können, dachte der Gutsherr und versprach es ihm.
Am nächsten Montag war auch Mats’ Sohn Mats auf dem Gut und fragte nach Arbeit. Man gab ihm zwei Pferde und befahl ihm, das Heu einzubrin-gen. Mats spannte die Pferde vor den Schlitten und fuhr zu den Schobern. Hier brach er sich starke Fichten ab, legte sie als Stämme auf den Schlitten, hob beide Schober darauf, band sie von beiden Seiten mit Stricken fest und wollte losfahren.
Doch, o Unglück, die Pferde rührten sich nicht von der Stelle. Schließlich riß Mats’ Sohn Mats die Geduld. Er holte aus dem Walde zwei balkendicke Fichtenstämme und begann damit auf die Pferde einzuschlagen. Aber schon bei den ersten Schlä-gen fielen sie hin und krepierten. Da warf er die Pferde auf die Fuhre, nahm die Deichsel in die Hand und stapfte nach Hause.
Zu Hause angelangt, schleppte er die Fuhre zur Stalltür und sagte: „Da ich einen Tag lang die Ar-beit für die Pferde getan habe, kann ich also ruhig die nächsten Tage schlafen. In Zukunft gebt mir aber keine solchen Klepper mit, die beim ersten Peitschenschlag krepieren.“
Er warf die Deichsel hin und ging in sein Zimmer, wo er sich zum Schlafen niederlegte und bis zum Sonnabendmorgen schlief.
Am Sonnabend ging er zum Gutsschuppen, in dem der Hanfvorrat aufbewahrt wurde, und begann dort maßlos dicke Stricke zu drehen.
Voller Schreck lief der Gutsvogt herbei: „Was machst du, du Bösewicht, du verbrauchst ja unseren ganzen Hanfvorrat!“
Ihm antwortete Mats, daß er doch nur einige Stricke drehe, um damit seinen Lohn wegzutragen, wenn das Jahr um wäre. Wohl kreischte der Gutsvogt noch eine Weile, doch unser Mats’ Sohn Mats beachtete ihn gar nicht.
Am nächsten Montag wurde ihm das stärkste Pferd aus dem ganzen Gut gegeben und befohlen, aus dem Walde Holz zu fahren. Mats ging. Er lud einen Klafter Holz auf und machte sich auf den Rückweg. Das starke Pferd wäre damit fertig geworden, wenn der Schlitten nicht gebrochen wäre. Der Mann ging zum Gut, um einen anderen Schlitten zu holen, doch inzwischen war ein Bär gekommen und hatte das Pferd gerissen.
Als Mats zurückkam, war der Bär gerade dabei, das Pferd aufzufressen, und hatte keine Lust wegzugehen. Schwups, saß ihm Mats auf dem Rükken, und augenblicklich war das Kummet dem Bären um den Hals gelegt, und er stand zwischen den Deichseln. Bald war auch die Fuhre aufgeladen, und Mats fuhr damit auf den Gutshof. Hier lud er die Fuhre ab und ließ seinen „Hengst“ mit dem ganzen Schlitten in den Wald fahren. Selbst aber ging er nach Hause und schlief dort bis zum Sonnabend. Mit Schrecken sah der Gutsherr, daß er ein solches Tier loswerden mußte.
Am dritten Montag befahl er ihm, zum schwedischen König zu gehen, um von ihm zwei Bütten Gold zu holen, und gab ihm auch einen Brief mit.
Mats’ Sohn Mats ging. Angelangt, sagte er dem Pförtner, er habe dem König einen Brief zu übergeben. Der Pförtner wollte ihn nicht hineinlassen, denn der König war gerade beim Essen. Doch Mats’ Sohn Mats ließ den Pförtner auf der Stelle die Stufen der Treppe bis nach unten abzählen und trat selbst in das Schloß ein.
Der König saß gerade am Mittagstisch. Als er gehört hatte, was Mats’ Sohn Mats von ihm wollte, sagte er, er werde hingehen und nachsehen, ob so viel Gold vorhanden sei, und flitzte durch die Tür hinaus.
Der Magen von Mats’ Sohn Mats war aber nach dem langen Marsch leer. Da setzte er sich an den Tisch und verschlang einen Teller voll nach dem anderen.
Der König freilich hatte sofort seine Truppen zusammenrufen und sie das Schloß umstellen las-sen. Da es nun niemand wagte hineinzugehen, ließ er aus den Kanonen ins Schloß schießen.
Mats’ Sohn Mats aß ruhig weiter, und als der erste Schuß den Suppenteller zerbrach, sagte er: „Was, zum Teufel, spielen sie da mit Erbsen!“
Da der König noch immer nicht zurückkehrte, suchte Mats schließlich die Schatzkammer des Königs auf, lud sich dort vier Bütten Gold auf den Rücken und machte sich auf den Rückweg, ohne das Schießen der Soldaten zu beachten.
Zu Hause angelangt, gab er zwei Bütten Gold dem Herrn, die anderen zwei behielt er für sich. Er ging in die Küche, wo für das ganze Gesinde Suppe gekocht wurde, und begann aus dem Kessel zu essen. Nach einiger Zeit war der Kessel leer, aber der Magen von Mats’ Sohn Mats war noch nicht voll. Er fragte nach mehr. Weil jedoch nichts mehr da war, entließ ihn der Herr aus dem Dienst und versprach ihm, den Lohn auszuzahlen. Dazu befahl er ihm, zur Scheune zu kommen, wo-hin ihm der Gutsherr persönlich vorausgegangen war.
Mats’ Sohn Mats nahm seine Stricke und ging zur Scheune. Der Gutsherr befahl ihm, so viel auf den Rücken zu nehmen, wie er tragen konnte. Mats’ Sohn Mats schob die Scheunentür zu, band die Stricke um die Scheune, nahm sie auf den Rücken und brachte sie vor die Kate des Vaters.
Dann öffnete er die Tür, ließ den Gutsherrn aus der Scheune heraus und sagte zu ihm: „Dir schenke ich die Freiheit, obwohl ich auch dich hierbehalten könnte; die Scheune aber mit allem, was drin ist, bleibt mir als Arbeitslohn.“
Und er lebte lange und glücklich.

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