Der Vater und die drei Söhne

Ein Vater hatte drei Söhne, und als sie groß geworden waren, sagte der Vater:
„Meine Söhne, ich habe euch lange ernährt und viel Mühe mit euch gehabt, nun müßt ihr aber die Welt kennenlernen und selbst euer Brot verdienen. Wer von euch nach drei Jahren, wenn ihr zurückkommt, sein Handwerk am besten versteht, wird meinen Hof erben; die anderen müssen in die Welt hinauswandern.“
Die Söhne gingen. Der Älteste lernte das Schmiedehandwerk, der Mittlere lernte Barbier, und der Jüngste wurde Krieger. Nach der festgesetzten Zeit kamen sie alle wieder zum Vater zurück.
Der Vater fragte den ältesten Sohn: „Welches Handwerk hast du gelernt, und was für ein Felleisen hast du auf dem Rücken?“
Der Sohn antwortete: „Ich bin Schmied und mache keinen Schritt, ohne meinen Hammer und meine Zange mitzunehmen. Auch Hufeisen und Nägel habe ich immer bei der Hand.“
Nun wandte sich der Vater an den anderen Sohn und fragte, was der auf dem Rücken trage.
„Ich bin Barbier und trage mein Handwerkszeug stets bei mir, damit es mir niemals fehle.“
Sich an den dritten Sohn wendend, fragte der Vater: „Was bist denn du für ein Mann, daß du ein Schwert trägst, jetzt gibt es doch keinen Krieg?“
Der Sohn antwortete, er sei Krieger und trage das Schwert bei sich, denn der Mensch wisse nicht, was geschehen könne.
Als dieses Gespräch beendet war, rief sie der Vater hinaus, um ihnen das Getreide zu zeigen, und später wollte er auch noch ihre Klugheit prüfen.
Sie waren eine Strecke gegangen, als ihnen ein Reiter in Windeseile entgegengejagt kam, und man hörte deutlich das Klappern eines losen Hufeisens. Der älteste Sohn zog sein Handwerkszeug aus dem Sack und lief dem Pferde nach; obwohl der Mann das Pferd in der gleichen Weise weiterjagte, zog der Schmied dennoch das Hufeisen ab, brachte es von neuem an und schlug neue Nägel ein, ohne irgendwelchen Schaden zu nehmen.
Als der Vater das sah, rief er: „Das ist fein, mein Junge, der Hof ist dein!“
Kaum hatte der Alte diese Worte gesprochen, als sie von weitem einen Hasen kommen sahen.
„Jetzt will ich zeigen, was ich gelernt habe“, sagte der mittlere Sohn.
Er lief dem Hasen entgegen, pinselte seinen Bart mit Seifenschaum ein und rasierte ihm die Backen, ehe der Hase in Windeseile weiterlief.
Als der Sohn zurückkam, sagte der Vater: „Gut, mein Junge, der Hof ist dein!“
Sie machten sich auf den Heimweg, denn von weitem sah man Wolken aufsteigen, und es war Regen zu erwarten. Sie waren noch nicht zu Hause, als es in Strömen zu regnen begann.
Da zog der jüngste Bruder sein Schwert aus der Scheide und sagte: „Jetzt schaut, was ich machen kann!“
Er schwang so geschickt das Schwert, daß kein Regentropfen auf sie niederfiel.
Als der Vater das sah, sagte er: „Ihr seid alle drei gleich klug. Darum soll der Hof euch allen dreien zusammen gehören; doch lebt in Frieden.“
Das taten sie auch und lebten lange und glücklich.

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